Über 70.000 Menschen besuchten den 104. Deutschen Katholikentag, der vom 13. bis 17. Mai 2026 in Würzburg unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ stattfand. Und auch wir waren dabei, gestalteten den Katholikentag mit und luden ein, uns vor Ort zu treffen. Die Dominikanische Familie (Brüder, Schwestern und Laien) hat ein vielfältiges Programm geboten, um Glaube und Vernunft gemeinsam zu feiern (Überblick-PDF zum Download s.u.).
Das Speeddating „Stunde der Wahrheit“, ein Mitmach-Chor für unsere Messe und das Talk-Format „mit Gott in der Kneipe“ waren nur einige Punkte für alle Sinne. Wir feierten eine Liturgische Nacht, führten ins kontemplative Beten ein und luden zu Vier-Augen-Spaziergängen „By the Way“ ein, um am Main entlang über Gott und die Welt zu sprechen. Apropos Main: Besonders haben wir uns auch auf die vielen spontanen Begegnungen am Stand des Dominikanerordens an der Friedensbrücke, Kirchenmeile FB-G-06, gefreut – und sagen allen dafür ein herzliches „Danke!“.
Hier teilen wir einige unserer Augenblicke vom Katholikentag in einer kleinen Nachlese für alle, die nicht dabei sein konnten oder sich diese besonderen Momente noch einmal Revue passieren lassen möchten!
Besuch vom Bundespräsidenten und seiner Gattin
Nach dem Eröffnungsgottesdienst kamen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender uns auf der Kirchenmeile besuchen. Der Würzburger Weihbischof Paul Reder begleitete sie auf ihrem Erkundungs-Rundgang. Sie waren uns herzlich willkommen.
Von Sr. Judith Moormann OP wollten der Bundespräsident und seine Ehefrau wissen, wie die Dominikanerinnen von Bethanien sich konkret für benachteiligte Kinder und Jugendliche engagieren: Die Schwestern geben rund 430 jungen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren leiblichen Familien leben können, ein neues Zuhause in Kinderdorffamilien und Jugendgruppen. Für einen Alltag mit Haltung, Zuwendung und Vertrauen. Auch darin, ein von Gott geliebtes Geschöpf zu sein.
Elke Büdenbender fragte dazu nach: Als UNICEF-Schirmherrin, der Kinderrechte eine Herzensangelegenheit sind, traf sie bei uns auf Ordenschristen, die sich für Menschen in schwierigen Lebenssituationen einsetzen aus der Überzeugung heraus: Du wirst gesehen und bejaht, das ist unverhandelbar.
Danke für diesen Moment!
Hier geht es zu den Dominikanerinnen von Bethanien und den Bethanien Kinderdörfern.


„Hab Mut, steh auf“: Persönliche Berufung klären

Warum entscheidet sich heute jemand für die Lebensform Kloster? Das wollte der Deutschlandfunk genau wissen. In der Radiosendung „Religionen“, die live vom Katholikentag übertragen wurde, kamen unser Mitbruder Simon Hacker OP, Sr. Juliana Seelmann (Oberzeller Franziskanerinnen) und Sr. Micha Stamer (Oblat*in der Benediktiner von Nütschau) klischeefrei über persönliche Erfahrungen ins Gespräch mit der Morderatorin:
Ja, auch bei der Berufungsklärung geht es um Mut, den eigenen leisen Wünschen ehrlich zu begegnen. Und dann tatsächlich auszuprobieren, ob ein geistlicher Weg persönlich passt und in die ersehnte Richtung führt. Denn Ordensleben ist echt vielfältig.
Moderatorin Anne Françoise Weber fragte z.B., ob die Gelübde Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam im Alltag tatsächlich einschränken? Für die drei Interviewpartner/innen ermöglichen sie oft das Gegenteil: Nämlich Freiheit für sich selbst, die Gemeinschaft und die persönliche Gottesverbindung zu entdecken. Denn im Kern, so waren sich die drei Ordensleute einig, bleibt es die konsequente Entscheidung für die Suche nach Gott.
Audiotipp: Die ganze Sendung (ca. 45 min) gibt´s als DLF-Podcast.
Und wer den nächsten Schritt gehen will – Hier ist der Link zu unseren Berufungs-Coaches.
Wahrheit ist wetterfest
Wer sich in der Würzburger Fußgängerzone zum Speeddating mit uns Ordensleuten hinsetzte, brachte bereits eine Portion Mut mit: Das dominikanische Institut Chenu aus Berlin hatte erstmalig eingeladen zur „Stunde der Wahrheit“ auf dem Katholikentag. Unter offenem Himmel nahmen Menschen Platz, um sich mit Brüdern, Schwestern und Laien des Dominikanerordens kurz und knackig auszutauschen über den Mut zur Ehrlichkeit in unserer Gesellschaft. Warum eigentlich wahrsprechen und nicht lügen?

15 Minuten pro Date, spontane Fragen, ehrliche Antworten. Da kamen Gespräche in Gang, die sich gewaschen haben. Woher kann Mut kommen, wenn mehr zur Debatte steht als nachprüfbare Fakten? Über Zweifel, Glaubwürdigkeit und den erstaunlichen Wunsch von Pierre Claverie OP „Ich brauche die Wahrheit der anderen“. Vielleicht blieben auch deshalb die Teilnehmenden sitzen, als ein Regenschauer spontan mit dazu kam.
Wer den Austausch zu Wahrheit
oder auch zum sel. Pierre Claverie OP
vertiefen möchte, findet auf der Webseite
unserer Dominikanerprovinz dominikaner.eu
zahlreiche Kontaktmöglichkeiten.
Und hier geht’s zum theologisch-philosophischen Magazin „Wort und Antwort“ des Instituts Chenu.
Wohin zieht dich deine Neugier? Was machst du, wenn du zweifelst?
Ok, wann gibt’s solche Fragen in einer Kneipe? Wahrscheinlich, wenn man sich zu Ordensmenschen setzt: P. Simon Hacker hatte Sr. Franziska Rehlinger (Vinzentinerin von Untermarchtal) und Sr. M. Damaris Leger (Franziskanerin von Sießen) eingeladen zum Auftakt-Gespräch unserer dreiteiligen Reihe „Mit Gott in der Kneipe“ auf dem Katholikentag.
Das Publikum im vollbesetzten Veranstaltungskeller vom „standard“ ließ sich direkt darauf ein, dass es im Talk der drei Ordensleute auf humorvolle Weise um alles außer Smalltalk ging. Dazu gehörte auch mancher Scherz über Kloster-Klischees.
So wurde z.B. bei der Frage nach der eigenen Berufung nicht geschwiegen, sondern Klartext geredet: Auch wenn ihre Berufungswege unterschiedlich verlaufen sind – Sr. Franziska, Sr. Damaris und P. Simon leben mit ihrem Ordenseintritt auf essentielle Weise die Hoffnung, dass es mehr gibt als die eigene Perspektive. Dass sie Glaubenserfahrungen machen können bei ihrer Gottessuche. Seine intensivsten Gottesbegegnungen habe er mit Menschen erlebt, sagte z.B. Pater Simon.
Was uns Mut macht. Danke an Schwester Franziska, Schwester Damaris und Pater Simon fürs Gespräch. Eure Gäste haben gelauscht, kommentiert und sich vielleicht in Augenblicken zwinkernd wiedererkannt. Danke auch an den standard für seine Gastfreundschaft und an die ehrenamtlichen Helfer/innen von Katholikentag!


Liturgische Nacht. Wirkt.
„Würde. Mensch. Sein.“ – Einen spirituellen Abend für alle Sinne gestalteten die Dominikanerinnen von Bethanien gemeinsam in Würzburg mit dem engagierten jungen Team „wunderwärts“. Wir freuen uns, dass zahlreiche Menschen mitgefeiert haben: Impulse von Sr. Judith Moormann OP zum Umgang mit Würde; kreative Stationen der Schwestern, an denen Gedanken Gestalt annehmen konnten; meditative Stille, die sich abwechselte mit ruhiger Live-Musik zum Mitsingen.
Möglich gemacht haben das zwei Gruppen: Besagte Band „wunderwärts“, die auch mit expressiven Texten berührte, und die Dominikanerinnen von Bethanien unter der musikalischen Leitung von Sr. Hellena Jung OP.
Was nehmen wir mit aus dieser Fülle? Worte, der sich einprägten. Ein Stück Melodie, die blieb, auch einen Wunsch, der plötzlich da war.
Wir unterstützen als Dominikanische Familie gerne dabei, diese offene Haltung auch im Alltag auszuprobieren.
Link zur Gruppe „wunderwärts“, die uns begeistert hat.



Sich vom Gott der Gegenwart finden lassen

Kontemplatives Beten hat eine lange christliche Tradition:
Dasein in Stille und in der Überzeugung, dass Gott gegenwärtig ist.
Kontemplatives Beten kann entlastend und bereichernd sein. Doch was sich einfach anhört, ist beim Ausprobieren nicht leicht. Bewusst still zu sein, ist zunächst so ungewohnt, dass erfahrene Begleitung beim Üben hilfreich ist.
Zu diesem Schnupperkurs hatte P. Lucas Wieshuber OP auf dem Katholikentag eingeladen. Die Turnhalle einer Würzburger Schule war bis auf den letzten Platz mit Menschen gefüllt, draußen warteten noch mehr. Anderthalb Stunden lang konnten Teilnehmende unter seiner Anleitung als ausgebildetem Meditationslehrer das kontemplative Beten ausprobieren. Und Stille als Raum erfahren, Gegenwart als Geschenk. In der Haltung: Hier bin ich und lasse mich von Gott finden. (In Respekt davor haben wir keine Fotos gemacht, sondern nutzen ein Symbolbild.)
Wie kann kontemplatives Beten im Alltag kennengelernt werden? Neben den eigenen bewussten Momenten der Ruhe können Tage in Gemeinschaft weiter in diese Gebetsform einführen. Pater Lucas bietet Kurse zum christlichen kontemplativen Gebet an.
Dazu gibt es hier mehr Infos.
Ausblick: Na, dann mal los!
Auch aus unserer Eucharistiefeier vom Katholikentag kommen ein paar Gedanken für den Alltag: Mit „Na, dann mal los, Elija!“ interpretierte die Dominikanische Ordensfamilie das Motto „Hab Mut, steh auf!“. Wir betrachteten den Propheten Elija genauer (1 Kön 19), der zunächst in Todesangst in die Wüste flieht und dann entmutigt und entkräftet unter einem Ginsterstrauch einschläft. Als er aufwacht, findet er frischgebackenes Brot neben sich und wird von einem Engel angestubst, sich zu stärken und zum Berg Horeb aufzumachen. Was er dann auch angeht.

Sr. Hannah-Rita Laue OP, Dominikanerin von Bethanien, holte in ihrer Predigt das Erlebnis von Elija näher; sie ließ uns auf eigene Kipp-Punkte blicken: Momente, in denen wir weglaufen, aufgeben und uns verkriechen. Und plötzlich kommt ein neuer Impuls, unerklärlich woher. Ein Stubser auf ein gutes Ziel hin – und die Energie neu zu starten ist da. Ein Moment, ein Mensch, der uns wieder aufrichtet.
Sr. Hannah schlug uns zwei Fragen vor, um nachzuspüren: Wer war in meinem Leben Brot für mich, sodass ich aufstehen und ein neues Ziel ansteuern konnte? Und: Wo war ich selbst Brot für andere Menschen?
Wo wir Brot für andere sind, schloss Schwester Hannah, ist Gott in unserem Leben gegenwärtig. Gemeinsam sind wir Leib Christi.
Das haben wir in unserer Messe mit zahlreichen Menschen gefeiert, begleitet vom lebendigen Projektchor unter der musikalischen Leitung von Pater Thomas Möller OP. Hab Mut. Steh auf. Dann mal los!


Zum Glauben in den Keller?
Unsere Reihe „Mit Gott in der Kneipe“ auf dem Katholikentag führte P. Max Cappabianca OP an zwei Abenden weiter: Er nahm sich im Veranstaltungskeller vom „standard“ Zeit für prominente Gäste, die er in seiner Sendung auf SAT1 „So gesehen – Talk am Sonntag on Tour“ bereits kennengelernt hatte. Von den beiden wollte er mehr erfahren, hatte er als Ordensmensch und Journalist gespürt.

So erzählte TV-und Hörfunk-Moderatorin Peggy Patzschke aus eigener Familienerfahrung, wie Liebe, Verlust und Wunden über Generationen wirken. Und warum es wichtig ist, gerade über „leise“ Kriegsfolgen unserer Verwandten zu sprechen. Sie beschrieb Pater Max betroffen und erleichtert zugleich, was mit ihr und ihrer Familie geschehen konnte, als dieses Schweigen endlich endete. Das Publikum fühlte mit Peggy Patzschke und tauschte sich engagiert mit ihr aus.

Am Abend danach nahm Pater Max den wiederum vollbesetzten Kneipenkeller mit auf den Glaubensweg von TV-Moderator Stefan Gödde. Der zum einen geprägt ist von eigenen Glaubenserfahrungen seit jungen Jahren. Und zum anderen durch seine Neugier als Wissenschaftsjournalist, die ihn Religionen, Traditionen und Glaubensorte erkunden lässt. Dabei konnte Pater Max dem Moderator auch Anekdotisches entlocken. Auch hier ging das Publikum wieder aktiv mit.
Die insgesamt drei Abende unserer Talkreihe 2026 haben gezeigt: „Mit Gott in der Kneipe“ lassen sich Menschen auf dominikanische Fragen und Neugier ein, um über ihren Glauben zu reden, schmunzeln und vielleicht auch zu staunen. Wir sagen Danke und freuen uns auf weitere pub crawls!
Zwei Tipps zum Weiterlesen:
Peggy Patzschkes Roman „Bis ans Meer“, der 2025 mit dem ZukunftErbe-Preis ausgezeichnet worden ist.
Stefan Göddes „Nice to meet you, Rom!“, der mit dem Premio ENIT ausgezeichnete persönliche Reiseführer.
Blickwinkel: Mutig Netzwerke bilden und Wandel anstoßen


Aufstehen und couragiert handeln – Eine Frau, die in dieser Haltung entdeckt werden kann, stellte P. Elias Füllenbach OP auf dem Katholikentag vor: Gertrud Luckner (1900-1995), blitzgescheite, mutige Widerstandshelferin und Pionierin christlich-jüdischer Annäherung nach der Shoah.
Als Historiker hat Pater Elias ihr Leben und Wirken erforscht, als Vorstandsmitglied des Koordinierungsrates (DKR) der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) setzt er sich u.a. dafür ein, dass sie und ihr politisch-religiöses Erbe für uns bekannter werden.
Denn gemessen an dem, was Gertrud Luckner mutig anstieß und möglich machte, ist sie bis heute als Vorbild eher wenig präsent – woran u.a. das Live-Gespräch auf dem Katholikentag mit Pater Elias und Sophie Grebe, Referentin für Digitalisierung beim DKR, etwas ändert.
Wir deuten es hier an und geben unten einen Tipp zum Weiterhören: Gertrud Luckner wurde im 20. Jh. zu einer der wichtigsten Stimmen gegen den alten katholischen Antijudaismus und für einen neuen Blick auf die jüdische Religion. Ihre tatkräftige Nächstenliebe, persönliche Zivilcourage und ihr beharrlicher Klartext für kirchliche Erneuerung erscheinen heute als außergewöhnliches Gesamtbild. Dafür verlieh der Koordinierungsrat der GCJZ Getrud Luckner 1980 die Buber-Rosenzweig-Medaille, die älteste und bedeutendste deutsche Auszeichnung im christlich-jüdischen Dialog.
Was weiter wirkt: Pater Elias erwähnte in dem Gespräch übrigens drei alltägliche Schritte, die wir in ihren Spuren gehen können: antijüdische Vorurteile im Christentum aktiv bekämpfen, z.B. in Gebeten und in der Kunst. Sich konstruktiv vernetzen und Menschen jüdischen Glaubens persönlich begegnen. Die jüdischen Wurzeln des eigenen Glaubens bewusst im Blick behalten.
Hörtipp „Ausgezeichnet“: Im Podcast der GCJZ erläutert Pater Elias mehr Details zu Gertrud Luckner und ihrem mutigen Leben. Hier ist der Link.
Bildnachweise: Fotos: S. Steinhoff; Symbolbild: pexels, Foto Gertrud Luckner: Privatarchiv Elias Füllenbach OP
Im Überblick: Das war unser Programm auf dem Katholikentag: